Mit stehenden Ovationen wird ein bezaubernder Oz gefeiert- Nach begeisternder “OZ“_ Premiere „droht“ dem Theater ein neues Kultstück/
Die deutsche Erstaufführung einer neu gefaßten Legende für Bühne und Leinwand muß ein Fazit vorab erlauben: Das Publikum konnte nicht irren nach zwei Stunden ebenso atemloser Spannung wie zauberhafter Träumerei, nach einem Theaterereignis, das die Fans wieder einmal in ihrer einhelligen Begeisterung teilen könnte. Ein Tip gehört vor die Bewertung: Wer die Wochenend- und Abendvorstellungen vor dem „Ausverkauft“ bucht, hat den Zauber sicher. Die Geschichte, weiß Gott, die kennen die Fans. Dorothy, das Kansas-Girl aus der amerikanischen Provinz, lebt bei Onkel und Tante, wird dort nicht so recht mit seinen musischen Träumereien akzeptiert. Wunderschön wie Regina Gisbertz im Duett mit der Stimme von Judy Garland „Over The Rainbow“ singt. Nur den Pflegeeltern gefällt`s nicht, und Dorothy läßt sich von einem Wirbelsturm ins Zauberland wehen, landet dort mit ihrer Hundehütte auf einer bösen Hexe. So gelangt Dorothy an Zauberschuhe und an allerlei Scherereien. Denn in OZ bekriegen sich nicht nur die die böse Hexe des Westens und Drippsdrüü, die gute Hexe des Nordens. Hier schwirren auch andere gespenstische Gestalten herum und Hilfe findet Dorothy nur bei der Vogelscheuche, dem Blechmann und dem Löwen. Tolles Trio: Der erste hat`nen Keks im Kopf, der zweite kein Herz im Leib und der dritte sch... sich vor Angst ins Fell. Allein schon die Szenen, in denen dieses Terzett peu à peu auf Verstand gebracht, in den verrosteten Scharnieren geölt und von den Hasenfüßen befreit wird, sind einfach nur hinreißend-inszeniert, choreographiert, gespielt. Natürlich machen die Vier der Hexe endgültig den Garaus und müssen von dem Zauberer, der erst via Leinwand seine Kräfte einsetzt und dann als mickriger Aufschneider entlarvt wird, von ihren Mucken befreit werden. Dann aber ist Friede in Kansas. Christina Böckler schafft für die deutsche Erstaufführung der Textfassung von Thomas Birkmeir ein kleines Kunstwerk. Der Regisseurin gelingt die schwierige Balance zwischen unaufdringlichen Amerikanismen und ebenso verhaltenen Elementen abendländischer Sehgewohnheiten. Im Bühnenbild von Petra Rotterdam, das das ländliche Amerika mit seiner Hollywoodschaukelkultur ebenso trefflich bebildert wie die farbenfrohe Märchenwelt, ist die Zauberei Broadway-Revue, klassisches Sprechtheater und Musical gleichermaßen. Mal scheint es, als seien die Pioniere mit der Mayflower vor Anker gegangen, dann spucken Westerncolts eher zartblaue Bohnen. Und zwei tuntige Obstbäume sind herrlich in Szene gesetzt. Zu all dem hat Michael Barfuß eine kongeniale Musik- sentimental, deutsch-rockig, swingend, Country, klassisch- geschrieben. Und im Zusammenspiel mit einem irrwitzig tollen Ensemble, Ilka Hövermanns traumschönen Kostümen und Amelie Jalowys Choreographie ist dieser „ Zauberer von OZ“ reif für einen Theateroscar. Von Michael Schmitz- WAZ
Dieser Zauber macht auch Kleine mächtig
Der Oberhausener Bühne und Christina Böckler gelangen eine wunderschöne und farbige Version des englischen, über 100 Jahre alten Klassikers „Der Zauberer von OZ“
Dorothy ist eine Heldin: Ungewollt hat sie eine böse Hexe zermatscht und so das versklavte Volk der Mampfer zu einem freien Volk von- tja Mampfern eben, gemacht. Jetzt muß sie nur noch ihren eigenen Weg finden...Die Geschichte ist nicht neu, 101 Jahre alt, um genau zu sein. Aber „ Der Zauberer von OZ“ und die Reise des kleinen Mädchens durch das große Reich ist zeitlos schön- was seit Freitag Christina Böcklers märchenhafte Inszenierung der Bühnen- Version von Thomas Birkmeir am Theater Oberhausen beweist. Voll tiefgründiger Komik und komischem Tiefgang stolpern die von Lyman Frank Baum erdachten Figuren über den gelben Weg von Abenteuer zu Abenteuer: Das Mädchen Dorothy ( wunderbar ungestüm: Regina Gisbertz), das so gerne zurück nach Kansas möchte. Sie trifft die Vogelscheuche ( herrlich schlaksig: Hendrik Richter), die zwar nur Stroh im Kopf- aber immer irgendwie immer die besten Ideen hat. Und entrostet den Blechmann ( liebenswert scheppernd: Juan Manuel Torres y Soria), dem zwar das Herz fehlt, der aber ganz schön nah am Wasser gebaut hat. Und der Löwe ( gut gebrüllt, Mirco Reseg)..., ja der Löwe hat nicht nur Muffensausen, der hat auch noch den vermutlich schönsten Pelz überhaupt. Denn Ilka Hövermann hat ganz besondere Kostüme geschaffen, in denen auch die anderen wundersamen Kreaturen im Zauberland glänzen , schimmern, rascheln, rauschen. Als aufgetakelte Obstbäume oder betörender Klatschmohn, als appetitliche kleine Mampfer, freche Flügelaffen und besonders dreiste, haken-schnabelige Krähen. Schön sparsam läßt Petra Rotterdam viel Platz für die Phantasie- und für die sehr körperliche Spielweise des Ensembles, das zur eigens von Michael Barfuß geschriebenen Musik nicht nur ( live) singt, sondern auch tanzt. Bis in die Smaragdstadt, wo der „ tripentaplastische, proenthusiastische, hyperphantastische“ Zauberer von OZ den Reisenden helfen. „Groß und mächtig? Eher klein und schmächtig“ erscheint er dem Quartett, gute Tips hat er dennoch parat. Die Botschaft ist- wie lauter witzige Zitate in Bühnenbild, Kostümen und Musik- amerikanisch und trotzdem schön. Alles, was du brauchst, trägst du schon in dir- auch wenn du es nicht weißt. Und: An sich selbst zu glauben, kann Wunder wirken- da wird`s nicht nur dem Blechmann ganz mollig um`s Wärmflaschenherz. Das Kunststück des Ensembles und der Regisseurin dankte das Publikum zur Premiere mit Standing Ovations. Von Monika Idems ( NRZ)





