Spatz Fritz

Spatz und Turteltauben

Mit "Spatz Fritz" erzählt die Studio- Bühne eine Geschichte von notgelandeten Vögeln und hilfsbereiten Ratten- an der Kinder und Erwachsene ihr Vergnügen haben. Er, der Typ komischer Kauz. Sie, so eine rattenscharfe Vorstadtschwalbe. Zwei, die eigentlich zusammen nicht kommen können. Oh doch! Ausgerechnet als Spatzen- Paten finden Herr Huber und Frau Maier zu ihrer wahren füreinander Bestimmung. Dabei liebt er nur Tauben, und sie schützt die Ratten. Tierische Komplikationen also in Rudolf Herfurtners Kindergeschichte von "Spatz Fritz", die die Studio- Bühne nun mit zwei herrlich schrägen Bühnenvögeln besetzt: Kerstin Plewa-Brodam als schrille Mieterin Maier und Carsten Kochan als grummeliger Hausbesitzer Huber. Nicht nur Kinder haben ihre Freude am Aufeinandertreffen der komischen Haustier- Matadoren. Wieder mal ist Kindertheater auf der Korumhöhe keine schnellzusammengeschusterte Angelegenheit, sondern ein von Regisseurin Christina Böckler raffiniert und liebevoll durchkomponiertes Geflecht von Sprachwitz und Situationskomik, rasantem Slapstick und Musik (Sigi Domke). Ein vergnügliches Nebeneinander von großer Geste und kleinen Effekten, schon das Bühnenbild hat für all das Platz: eine Mauer mit Kaminrohr, eine Leiter, ein Bollerwagen und ein Berg von originellen Requisiten- Ideen. Der Maiersche Schal wird zum Vogelnest, zwei Handschuhe zu Papa und Mama Spatz, mit viel Schwamm und ein paar Zeitungen entstehen später Lese- und Wasserratte. Die Knuddel- Vögel hat Kathrin Krone mit wenig Firlefanz kreiert. Spatz Fritz bekommt später noch Flügel aus Zollstock und Tapete.

Kreativ ist der Erzähl- Prozeß, phantasievoll die Geschichte. Spatz Friedrich will fliegen, startet als Adler und landet unsanft als schwarzer Klumpen. Irgendwas hat das Gefieder verklebt. Eine Umweltgeschichte? Vielleicht auch, aber vielmehr eine Geschichte über Scheitern und Neuanfang, über Freundschaft, Toleranz und die Überwindung von Vorurteilen- gegen Ratten beispielsweise. Die nämlich retten Friedrich, den eher mickrigen Fritz, helfen beim Neustart und lassen auch die neue Lebensgemeinschaft Huber- Maier gut an. Sehenswert dabei Kerstin Plewa- Brodam in einer gewagten lila Zweithaut, so schön schrill und betörend tuchfühlend, daß auch Carsten Kochan als Herr Huber Kopf und Kappe schließlich verliert. Mit dem Spatz in der Hand müssen sich die beiden nicht mehr begnügen. Als Turteltauben treten sie ab. (Martina Schürmann- NRZ)

Spatz Fritz

Zwei Streithähne werden sehr zahm

Der korrekte Herr Huber liebt Vögel. Die verrückte Frau Maier mag Ratten. Da ist Ärger vorprogrammiert. Doch über die Tiere kommen sich die beiden Streithähne näher. Bei der Premiere von "Spatz Fritz" auf der Studio- Bühne wird Toleranz auf humoristische Weise eingeübt.

Der kleine Spatz fällt in einen tiefen Kellerschacht. Und dort sollen drei Ratten lauern. Jetzt wird`s gefährlich, meint der Cordhosenträger Herr Huber (Carsten Kochan). Aber die schrille Frau Maier (Kerstin Plewa- Brodam)- mit violettem Schlauchkleid, Pünktchensocken und Ohrenschützern bekleidet- macht ihm und den Kindern mit ihrer Geschichte über den kleinen Vogel klar: "Nichts ist nur schlecht." Sie schnappt sich eine Zeitung, einen Schwamm und ein zerzaustes Kissen. Und schwups- hinter einer Wand tauchen die Nasen ihrer Lieblinge auf: die Leseratte, die Schiffsratte und die Laborratte, an der ein neues Mittel für Dauerwellen getestet wurde. Kathrin Krone hat diese herrlich schrägen Figuren erschaffen. Die zwei Schauspieler leihen ihnen ihre Stimmen: Je nach Rattentyp schlagen sie treffend einen anderen Ton. Wobei die Leseratte natürlich ganz ihrem Naturell entsprechend lieber denkt und schweigt. Herr Huber muß feststellen: Die angeblichen Ungeheuer sind regelrechte Retteratten. Sie helfen dem kleinen Spatz Fritz aus seinem Kellergefängnis. Darüber ist der Vogel-Huber so gerührt, daß er auf einmal Frau Maier mit anderen Augen sieht. Das "Zwei- Personen- und – viele- Tiere- Stück" von Rudolf Herfurtner, glänzend inszeniert von Christina Böckler, hat daher auch ein Happy- End: Die einstigen Streithähne tanzen zu Musik von Sigi Domke. (Maren Schürmann- WAZ)