Eine Aufführung wie im Bilderbuch
Doppelte "Katerstimmung" im Studio 99: Pettersson ist müde, hat schlechte Laune. Das Wetter ist mies, eigentlich hat er zu nichts Lust. Das paßt seinem Kater Findus, einem ewigen Quell guter Laune und lustiger Streiche, aber gar nicht. Mit der Produktion "Pettersson und
Findus" nach den bekannten Bilderbüchern von Sven Nordqvist bietet das TiP-Theater ein Stück für die Kleinsten an. Vier Jahre sollten sie schon sein, weitere Auflagen gibt`s nicht, auch mucksmäuschenstill müssen die kleinen Besucher nicht sein, wenn der Kater Findus findig versucht, Pettersson doch noch zum Angeln zu überreden. Hanna Jürgens spielt einen spielwütigen hin- und mitreißenden Findus. Ständig in Aktion, akrobatisch-artistisch hüpft sie über Tisch und Stuhl, dass es Kinder kaum auf dem Sitzkissen hält. Dabei bleibt sie katzengleich experimentierfreudig und vorsichtig zugleich. Eine Freude, ihr zuzuschauen. Andreas Maier stellt den müden Pettersson kaum weniger geschickt dar. Er ist langsam, träge, manchmal übellaunig, aber nicht böse. Was schon die „große“ Kinderproduktion „Emil und die Detektive“ auszeichnet, greift und ergreift auch beim „ kleinen“ Kinderstück: Die Identifikation der beiden hervorragenden Schauspieler mit ihren Rollen. Christina Böckler, die für Textfassung, Regie und Bühne verantwortlich zeichnet, hat gut daran getan, die Nähe zu den Bilderbüchern zu suchen. Bis auf eine Ausnahme. Die von Andreas Maier komponierten ,getexteten und zusammen mit Hanna Jürgens zum auch noch selbstgespielten Akkordeon vorgetragenen Songs sind ein weiteres i-Tüpfelchen bei dieser Bilderbuch-Produktion. Begeisternd auch wie aus Tisch, Stuhl, Kiste und Blumentöpfchen mit der überragenden Darstellungskraft der Schauspieler ein ganzes Küchenzimmer, am Ende sogar ein Ruderboot (!) entsteht. Und was man mit wenigen Requisiten so alles Witziges anstellen kann, beweist einmal mehr Hanna Jürgens als Findus...von nick( NRZ)
Findus weckt den ollen Schweden
Wird jetzt endlich gespielt- oder nicht? Katerchen Findus ist der Alptraum mancher Eltern. Aber beharrlich bringt er den alten Pettersson zum Ziel. „Pettersson und Findus“ nach Sven Nordqvists Bilderbuch „Armer Pettersson“ entstanden, erlebte gestern im Studio 99 eine zauberhafte Premiere. Wer hier „Action pur“ sucht, hat das falsche Ticket gelöst. Aktion vollzieht sich gewissermaßen im Verborgenen, ständig ist was los, aber eingebettet eben in eine märchenhafte nordische Ruhe, in eine wahrliche schwedische Geschichte. Findus, ein recht aufgeweckter Kater, will den ollen Pettersson, einen ausgemachten Schlaffi, aus seiner Lethargie erwecken. Und die gar nicht immer so samtene Pfote strotzt vor Erfindungsreichtum. Aber der stets miesgelaunte Pettersson hält dagegen. Lila-Laune bringt`s nicht, zum Katzenstreicheln hat er auch keine Lust. Aber Findus hat eine Zaubertruhe, sozusagen eine Schatzkammer der Phantasie. Und daraus zaubert er die Angelrute hervor. Angeln gehen, das wär` doch was. Und Findus lässt sich selbst von der Sorge eines Kindes im Publikum, dass der See zugefroren sein könnte, nicht abhalten. Mit allen nur erdenklichen Tricks, auch ein paar Wehwehchen im schönsten Katzenjammer simulierend, legt der Kater Pettersson an den Haken. Gleich einer Hypnose siegt die kindliche Phantasie über die erwachsene Ideenlosigkeit, macht aus dem müden Alten einen begeisterten Angler. Einfach nur schön gemacht. Regisseurin Christina Böckler, von der auch die stimmige Textfassung stammt, setzt dieses kleine, aber ganz feine Spiel ums Spielen toll in Szene. Nicht nur für Kinderaugen verführerisch choreographiert sie die beiden Protagonisten. Die Musik, an der Andreas Maier mitgewirkt hat, klingt ins Ohr zum Auftakt gar, als hätte der legendäre Jussi Björling gesungen. Das so ungleiche Duo im Studio ist wahrlich anrührend. Andreas Maier gibt den Pettersson als sympathischen Griesgram, der sich letztlich wohl allzu gern anhaken läßt. Und Hanna Jürgens ist ein Kater geradewegs zum Verlieben. Sie schnurrt und faucht, umschmeichelt und umgarnt, eine geschmeidige Wildkatze der sanften Art. Ein Bildnis, zum Buchen schön. Von Michael Schmitz(WAZ)