Mit der Faust ins offene Messer

"Mit der Faust ins offene Messer" von Augusto Boal

Studio-Bühne Essen, Premiere am 19.04.02

"Mit der Faust ins offene Messer". Sechs Menschen, unterwegs im Nirgendwo. Was haben sie zurückgelassen? Was bringen sie mit an eigener Geschichte, an Verletzungen, Hoffnungen? Die Regisseurin Christina Böckler, die zuvor mit verschiedenen Inszenierungen am Theater Oberhausen begeisterte, hat jedem Schauspieler in vielen Improvisationen einen eigenen Zugang zu dem Text von Augusto Boal ermöglicht. Die lange Vorarbeit erwies sich als fruchtbar. Mit sparsamsten Mitteln erzeugt das hervorragende Ensemble Bilder und Stimmungen, die in Herz und Kopf nachhaltig Wirkung zeigen. Ein empfehlenswertes Theaterstück also, das trotz des ernsten Themas nie erdrückend wirkt.-S. Domke( WAZ/ NRZ)

Mit der Faust ins offene Messer

Sechs Menschen ohne Heimat, aber mit Träumen und aus unterschiedlichen Gründen auf der Flucht. Christina Böcklers Inszenierung von Augusto Boals "Mit der Faust ins offene Messer" in der Studio-Bühne zeigt menschliche Abgründe.Sechs Flüchtlinge beim Fußball. Sie alle spielen im selben Team. Doch der Schein trügt. Musik und Bewegungen gleiten ins Dissonante über. Denn stärker als das Zusammengehörigkeitsgefühl wirkt die innere und äußere Isolation. Die Flüchtlinge verlieren jegliches Gefühl für Raum und Zeit, sogar die eigene Identität. Nur ihre Träume bleiben, die sie eindrucksvoll in Liedern verpacken. Böckler weiß insbesondere die Charaktere des naiven Revoluzzers Paulo (Simon Jakobi) und seiner kindlich-zerbrechlichen Freundin Maria (Kathrin Krone) herauszuarbeiten. Durch Kriegsgrauen zur körperlichen Liebe nicht mehr fähig, flüchtet sie in den Freitod. Der Graben zwischen Kampf und menschlichem Schicksal wirkt am Beispiel dieses Paares besonders groß. Der laszive Charakter von Marga (Claudia Welzel) kommt dagegen geradezu grotesk daher. Hinter ihrer extrovertierten Sexualität, mit der sie erst Paulo umgarnt, dann den Weichling Barra (Carsten Kochan) verführt, will Marga ihre Verletzungen verbergen. Die übrigen Charaktere verblassen dagegen. Die übertriebene Mütterlichkeit von Barras Frau Foguinho (Kerstin Plewa-Brodam) und insbesondere der Zynismus des Doktors (Andreas Gruber) bleiben Rand-Phänomene. Dennoch ist Böckler mit ihrem Debüt in Kray eine packende,gefühlvolle und ideenreiche Inszenierung gelungen.-G.K.Strahl (WAZ)

Mit der Faust ins offene Messer