Christina Böckler, die in Oberhausen schon bei der Umsetzung von "Pettersson und Findus" eine geniale Hand für anspruchvolles Kindertheater bewies, setzt auch beim Märchen wieder auf die Kraft und Poesie der Bilder, ohne die Realitäten zu ignorieren. Zwei Besonderheiten bietet die Oberhausener Inszenierung vo
n Christina Böckler: Thomas Goritzki (Text) und Michael Barfuß (Musik) haben die Motive des Stücks in wundervolle Kinderlieder verpackt, die dieser Inszenierung immer wieder Schwung verleihen. Genialste Idee der Regisseurin bleibt aber die Figur "Engelbär", die von Jennifer Caron traumhaft- tänzerisch umgesetzt und von den Kindern sofort ins Herz geschlossen wird. Sie begleitet Hänsel und Gretel bei ihren Abenteuern, mal naiv, mal schlau, für die beiden unsichtbar, für das Publikum aber immer präsent. Dirk Fenselau ist ein sympathischer Vater, Julia Wirtz im Gegenpart eine herrisch-mürrische Mutter. Sie spielt auch die Hexe, die sie ebenso verführerisch anlegt, wie es die beiden riesigen Buttercreme-Tortenstücke sind, die das Knusperhäuschen ersetzen. Hanna Jürgens und Kaspar Küppers schließlich sind zwei Kinder, wie man sie sich wünscht: verspielt einander liebevoll zugetan, clever. Christina Böckler greift in ihrer Inszenierung die Märchenmotive um Familienkonflikt, Verführung und Emanzipation der Kinder auf, ohne den pädagogischen Ziegefinger zu hoch zu erheben. Das sollten sich Eltern und Kinder ansehen. Von Michael Nicolas-NRZ
Engelbär verzaubert die kleinen Zuschauer
In diesem Jahr haben sich die Oberhausener einen echten Märchen- Klassiker aus dem Hause Grimm ausgesucht:"Hänsel und Gretel". Und wie nicht anders zu erwarten war schon die Premiere vom kleinen und großen Publikum umjubelt. Zu Recht, denn Regisseurin Christina Böckler hat aus der zeitlosen Geschichte quasi ein Musical zum Mitsingen gemacht, dessen tragischer Inhalt trotzdem tief ins Herz geht. Fröhlich und verspielt agieren die jungen
Darsteller Hanna Jürgens und Kaspar Küppers, um in der nächsten Minute märchenhaft drastisch im Wald ausgesetzt zu werden, wo die Verzweiflung groß ist. Passend böse spielt Julia Wirtz als Mutter den Gegenpart, die im späteren Verlauf auch die Rolle der Hexe übernimmt. Eine kuriose, aber in jedem Fall originelle Idee hatte die Regisseurin mit der Figur des Engelbär, eine Mischung aus Clown und Engel, die Hänsel und Gretel auf ihren Wegen begleitet. Jennifer Caron beweist hier komödiantisches Talent und wurde sofort zum Liebling der kleinen Zuschauer.....Fabelhaft kindgerecht auch die Musik von Michael Barfuß, getextet von Thomas Goritzki. von schm (Wochen-Anzeiger)
Hänsel und Gretel wie Romeo und Julia - Märchenhafte Theaterpremiere im Ebertbad
"Das Leben ist toll und wundervoll. So herrlich gefährlich und richtig wichtig, lang oder kurz, das ist schnurz. Hauptsache gut, mit Weisheit, Geduld und Mut wird alles wieder gut." So reimt sich das Märchen "Hänsel und Gretel" in der Oberhausener Inszenierung zu einem hoffnungsfrohen Finale. Und so gelingt Regisseurin Christina Böckler eine Inszenierung, die sich über eine traditionelle Geschichte behutsam den zeitlosen Konflikten in Familien nähert. Gleichwohl überfrachtet Christina Böckler ihre Inszenierung weder familienpolitisch noch pädagogisch. In Petra Rotterdams Kulisse, mit genial einfachen Mitteln samt Wald und Lebkuchenhaus zwischen die Publikumsblöcke gebaut und traumschön ausgeleuchtet, wächst die Spannung in sanften, aber spürbaren Bögen, die Aufführung mit liebevoll hinterwitzigen Details gelegentlich zur feinen Groteske. Ein durchgängig auf hohem Niveau choreographierte Zeichnung der Figuren schafft im begeisternden Zusammenspiel mit von Thomas Goritzki wunderbar getexteten und von Michael Barfuß Prachtvoll komponierten Liedern beinahe das Gewand eines Musicals (nicht nur für Kinder), das sich vom Einerlei dieses Genres auf theatralisches Format erhebt. Die beiden Titelhelden spielen Hanna Jürgens und Kaspar Küppers mit ebenso leiser wie temperamentvoller Zärtlichkeit beinahe wie Romeo und Julia (ohne tragisches Ende) fürs Kindertheater. Dirk Fenselaus Vater ist eine sympathische Person. Julia Wirtz verleiht der Mutter herrisches Format, der Hexe aber ein fast erotisches Verführungsgehabe, Klasse. Wundervoll geradezu Jennifer Caron als Engelbär. Auf anrührend heimlichen Pranken führt sie singend und tanzend Hänsel und Gretel in eine neue Zukunft. Ein Theaterereignis für Kinder und Familien. Von Michael Schmitz (WAZ)